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07.08.2016 16:25

Welt am Sonntag-Interview mit tgb-Sprecher Dr. Vural Ünlü: "Überschwappen der Konflikte ist kaum vermeidbar"

Vural Ünlü ist Chef der türkischen Gemeinde Bayerns – und kein Erdogan-Anhänger. Der Manager sagt,...


03.08.2016 16:25

Münchner Merkur-Beitrag "Eine Heimat, die keine mehr ist" mit Kurzkommentar von tgb-Sprecher Dr. Vural Ünlü

Die Gesellschaft in der Türkei ist nach dem Putschversuch tief gespalten. Viele Menschen haben...


01.06.2016 11:56 Alter: 3 yrs

BISS-Interview "Aus eigener Erfahrung" zum Thema Flucht und Migration

Von: Konstanze Faßbinder

Vural Ünlü, 43, Medienmanager und Vorstandsvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Bayern, kam im Alter von vier Jahren mit seiner Familie nach Deutschland.

Ich empfinde Empathie für die Leute, die gerade nach Deutschland kommen. Ich glaube, die meisten Türken tun das. Schließlich mussten sie vor 50 Jahren selbst hier Fuß fassen, damals noch ohne jegliche Integrationshilfen. Natürlich gibt es auch Ängste: Viele Türken arbeiten in prekären Verhältnissen, der Wettbewerb im Niedriglohnsektor wird zwangsläufig ansteigen, ein Unterbietungswettbewerb einsetzen.

Meine eigene Familie lebte anfangs in einem Dorf in Cloppenburg. Wir waren die einzigen Migranten an der Schule, das war ein Riesen-Vorteil. Deshalb dürfen sich Ankommende meiner Meinung nach nicht in ihren jeweiligen Gemeinden abschotten. Das ist zwar ein natürlicher Reflex, er führt aber zu Segregation, Brennpunkte entstehen. Ich befürworte deshalb die Wohnsitzauflage, auch wenn das ein harter Eingriff in die Selbstbestimmung ist, aber die Menschen müssen besser verteilt werden.

Die Stimmung ist heute angespannter als damals, auch bei den konservativen Türken gibt es Vorurteile und Rassismus. Insgesamt habe ich aber das Gefühl: Es geht weniger darum, dass Flüchtlinge kommen, sondern darum, dass Muslime kommen. Ich merke das auch in unserem Verband: Neuerdings sehen manche uns als Teil der islamischen Komplottmaschinerie, obwohl wir ein weltlicher Verein sind, der sich stets für Integration eingesetzt hat. Da ist ein Damm gebrochen. Was Michael Stürzenberger seit Jahren erzählt – und der wird immerhin vom Verfassungsschutz beobachtet – ist plötzlich konsensfähig geworden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass der Staat in Integration investiert. Das kommt nicht nur den Flüchtlingen zugute, sondern auch dem gesellschaftlichen Kitt. Wir müssen auch an die Zukunft denken: Jetzt sind Kriegsflüchtlinge das Megathema, aber wenn Bangladesch überflutet wird, kommen Klimaflüchtlinge. Flüchtlingspolitik, Klimapolitik, Internationale Politik, sie alle werden wichtiger, um die Probleme vor unserer „Haustüre“ zu lösen. Wir müssen insgesamt globaler denken, nicht nur in der Wirtschaft.